Holzbildhauerei
Mit 15 habe ich einen dreijährigen Holzbildhauerkurs bei Meister Berberich in Hatzfeld begonnen. Neben dem Handball war dies eine nicht nur willkommene, sondern geradezu notwendige Ablenkung von dem Unbill der kommunistischen Diktatur in Rumänien. Von Meister Berberich habe ich die Holzschnitzkunst erlernt. Und, ich habe sogar auf ein Set mit 40 Stemmeisen gespart, welches damals ein Monatsgehalt gekostet hat.
Mit 18 stand mein Entschluß fest, daß ich mein bisheriges Leben aufgeben werde, aufgeben muß: Ich werde über die grüne Grenze gehen.
Mein Holzschnitzwerkzeug war mit das Erste, das ich mitgenommen habe, als ich meine Eltern wieder besuchen durfte. Ich schleppte es gut 30 Jahre lang bei jedem Umzug mit. Ähnlich, wie ich meine Fluchtgeschichte mitgeschleppt habe. Erst nachdem ich mein Fluchtbuch schreiben konnte und nachdem ich mir in dem restaurierten Restbauernhof eine Werkstatt einrichten konnte, habe ich diese Stemmeisen zum ersten Mal wieder richtig in die Hand genommen. Entscheidend war auch, daß ich im alten-neuen Bauerhaus das alte Eichenholz sehr lange betrachtet habe, denn es hatte seine ganz eigene Geschichte und Charakteristik.
Diese Stemmeisen und das alte Eichenholz gingen eine Symbiose ein, die mich dazu bewog, nach so vielen Jahren wieder Holzskulpturen zu erschaffen. Die Lehren von Meister Berberich blieben zwar im Hintergrund, aber ich ließ mit einem Male meinem Auge und meiner Hand freien Lauf.
Jetzt weiß ich, daß die Holzbildhauerei tatsächlich die andere Seite und die notwendige Ergänzung meiner literarischen Ausdrucksform ist.